Photovoltaik – nein danke?

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Wird die Photovoltaik überfördert? Sollte man eine Förderung gar völlig abschaffen aufgrund negativer Aus-
wirkungen auf Städtebau und Umwelt? Muss das Motto der Zukunft lauten „Photovoltaik – nein danke“?

Kaum etwas wurde in den vergangenen Monaten so kontrovers diskutiert wie die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland. Dabei spielte auch die Stromerzeugung aus solarer Strahlungsenergie eine wichtige Rolle. Wird die Photovoltaik tatsächlich überfördert? Sollte man eine Förderung gar völlig abschaffen aufgrund negativer Auswirkungen auf Städtebau und Umwelt? Muss das Motto der Zukunft lauten „Photovoltaik – nein danke“?
    
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hilft es, die Diskussion differenzierter und weniger emotional zu führen. Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass es aufgrund eines starken Preisverfalls der Module um ca. 35 % bei etwa gleichbleibenden Vergütungssätzen in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich zu Überförderungen kam. Diese Entwicklung zeigt auch der kürzlich von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf des EEG-Erfahrungsberichts 2011 auf. Allerdings befindet sich der Gesetzgeber hier bereits auf dem richtigen Weg, wenn man bedenkt, dass Dachanlagen im Jahr 2004 noch mit bis zu 57,40 Cent pro Kilowattstunde gefördert wurden, während bei einer Inbetriebnahme im Jahr 2011 nur noch max. 28,74 Cent pro Kilowattstunde für die Stromeinspeisung gezahlt werden – bereits zum 01.07.2011 steht eine weitere Absenkung an. Hierzu trägt das im EEG verankerte komplizierte, am jährlichen Leistungszubau  orientierte Degressionssystem des „atmenden Deckels“ wesentlich bei. Zwar lassen sich unterjährige Verschiebungen der Stromgestehungskosten damit nicht erfassen, und nicht zuletzt hat die Bundesnetzagentur – ebenso wie der BSW e.V. – Schwierigkeiten, den tatsächlichen Zubau vorherzusagen. Auch zukünftig wird sich damit die Möglichkeit partieller Überförderungen kaum vermeiden lassen, allerdings ist ganz klar zu konstatieren, dass dies jedenfalls nicht vorsätzlich oder gar von der Branche initiiert geschieht. Die Photovoltaik und die Entwicklung der Branche in den letzten 10 Jahren ist so immens. Die Lernkurven und Kostendegressionen in der Branche sind ausschlaggebend für die innovative Treiberkraft innerhalb der Branche.
    
Auch sollte man sich vor Augen führen, dass „Überförderungen“ in einem gewissen Rahmen auch einen Technologiefortschritt anstoßen können, den gerade die Photovoltaik angesichts verbesserungswürdiger Effizienzgrade noch dringend nötig hat. Dort, wo die PC-Halbleitertechnik vor zehn Jahren stand, ist die Photovoltaik-Halb­eitertechnik heute – es ist davon auszugehen, dass die Forschung hier in den kommenden Jahren entscheidende Fortschritte macht. Dies kostet Geld und mag vorübergehend zu einer Erhöhung der vom Verbraucher zu tragenden Differenzkosten führen. Allerdings darf in der öffentlichen Diskussion nicht vergessen werden, dass Effizienzsteigerungen letztlich jedem Einzelnen zugutekommen und langfristig angesichts der prognostizierten, immer weiter steigenden Energiekosten sogar einen entlastenden Effekt erzielen können. Auch auf einer anderen Ebene wird die Photovoltaik häufig kritisiert: Dachanlagen würden zu einer „Störung“ des Stadtbildes führen, Freiflächenanlagen zu ökologisch unverträglichen Flächenversiegelungen. Ebenso wie Windenergieanlagen und Biogasanlagen lassen sich Photovoltaik-Anlagen ohne gewisse optische Beeinträchtigungen nicht realisieren – nur sind dies eben Belästigungen, die man für ein Bekenntnis zu erneuerbaren Energien und zum Klimawandel schlichtweg hinnehmen muss. Gleiches gilt für den Denkmalschutz. Dagegen dürften zusätzliche Flächenversiegelungen zumindest zukünftig keine wesentliche Rolle mehr spielen. Schon das EEG 2004 und erst recht das EEG 2009 sahen primär die Nutzung von Gebäude- bzw. versiegelten oder sonstigen ökologisch minderwertigen Flächen vor, was durch die weitere Gesetzesentwicklung im Rahmen der EEG-Novelle 2012 fortgeführt werden soll.
    
Natürlich kann die Photovoltaik nicht der alleinige Motor der Energiewende sein. Es stehen aber andererseits auch nicht ausreichend andere erneuerbare Energieträger zur Verfügung, um auf die Stromerzeugung aus solarer Strahlungsenergie gänzlich verzichten zu können. Die Antwort muss daher heißen: Photovoltaik – ja bitte, und zwar als sinnvolle Ergänzung im Energiemix der Zukunft!


Photovoltaik – nein danke?

Pressebeitrag – 28.07.2011
REGJO / Prof. Dr. Martin Maslaton